Was vor sechs Monaten noch undenkbar war, ist heute bittere Realität: Umsatzeinbrüche, Lieferschwierigkeiten, Kurzarbeit – die Lungenkrankheit Covid-19 stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Doch in der Krise liegt auch eine Chance.

Von heute auf morgen mussten sich Millionen von Mitarbeitenden an neue Arbeitsbedingungen gewöhnen. Was bisher undenkbar schien, war plötzlich möglich: Homeoffice, Online-Meetings, Kundenbestellungen per WhatsApp oder Akquisegespräche via Skype.

Auch in der Personalentwicklung führte die Krise zu einer Beschleunigung der Digitalisierungsprozesse: Aus Präsenzseminaren wurden Webinare und E-Learning-Angebote. Viele HR-Verantwortliche und Mitarbeitende erleben die digitale Transformation im ICE-Tempo.

Dabei sind digitale Lern- und Weiterbildungsangebote nicht neu: Begriffe wie Webinare, E-Learnings, Blended Learning und Online-Trainings hallen seit vielen Jahren durch die Flure der Personalabteilungen. Allein: Oftmals mangelte es am Engagement der Unternehmensführungen, diese digitalen Lernformen auch IT-seitig zu ermöglichen. Corona hat diese Digitalisierungsdefizite gnadenlos offen gelegt.

Dabei bieten digitale Weiterbildungsangebote viele Chancen:

  • Anreise- und Übernachtungskosten fallen weg.
  • Hunderte Mitarbeitende können gleichzeitig geschult werden.
  • In E-Learning-Plattformen steuern die User ihr Lerntempo selbst.

Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft befürworten drei Viertel der Befragten zukünftig eine Homeoffice-Lösung aufgrund der aktuellen Lage. Viele Mitarbeitende haben über Wochen die Vorzüge eines digitalen Arbeitsplatzes kennengelernt und im Homeoffice selbst gesteuertes digitales Arbeiten verinnerlicht. Corona hat Berührungsängste abgebaut, der Schritt zum selbst gesteuerten digitalen Lernen dürfte Vielen nun deutlich kleiner erscheinen!

Und hier noch einige Zahlen und Fakten:

Rund ein Drittel der deutschen Unternehmen setzten seit Beginn der Corona-Krise geplante Präsenzseminare teilweise oder sogar vollständig in digitaler Form fort. Rund 26 Prozent der Unternehmen mussten ihre Weiterbildungsaktivitäten dagegen einschränken. Dies zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zum Stand der Weiterbildung während der Pandemie.

Die Umfrage zeigt zudem, dass auch viele Unternehmen, deren Mitarbeitende sich in Kurzarbeit befinden, Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen haben. So gaben rund 15,7 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie die Zeit der Kurzarbeit für die Weiterbildung ihrer Teams nutzen, weitere 13,5 Prozent haben dies geplant.

Die Zukunft liegt im Blended Learning

Digitale Lernangebote werden Präsenzseminare wahrscheinlich so schnell nicht komplett ersetzen können. Im Gegensatz zu Präsenzveranstaltungen, die ganze Tage umfassen und dadurch sehr in die Tiefe gehen können, müssen Webinare kurz und prägnant gestaltet sein. Es ist einfach nicht zumutbar, einen ganzen Tag auf einen Bildschirm zu starren. Das ermüdet unsere Augen und überlastet unser Gehirn.

Ein Zurück zu reinen Präsenzseminaren wird es jedoch auch nicht geben. Zu sehr überwiegen die Vorteile digitaler Lernangebote – nicht zuletzt sind sie finanziell für viele Personalabteilungen attraktiv, da skalierbarer und dadurch bis zu 40% günstiger.

Die Zukunft liegt im Blended Learning, also dem Mix aus Präsenz- und Online-Lernphasen: In kurzen Webinaren werden die Teilnehmenden an das Thema herangeführt, dann erarbeiten sie in einer E-Learning-Plattform einzelne Themen selbst und wenden das Gelernte zum Abschluss im Rahmen eines Ein-Tages-Seminars direkt an. Der Lerneffekt ist hierbei noch einmal deutlich höher als bei rein digitalen Angeboten.

Die Corona-Krise stellt uns alle auf eine harte Probe. Aktuelle Studien und Umfragen zeigen jedoch: In dieser Krise liegt auch eine Chance!